Aussprache des Sindarin


Moderator: Moderatoren

Benutzeravatar

Beiträge: 22

Registriert: Di Mai 26 2015 16:36

Wohnort: Nürnberg (B)

Beitrag Fr Aug 12 2016 10:54

Aussprache des Sindarin

Hallo zusammen,

beim Durchblättern von Helmut Peschs Sindarin-Kurs ist mir bei seinen Angaben zu der Lautschrift aufgefallen, dass gemäß seinen Auffassungen die Plosive p, t und k im Sindarin wie im Deutschen behaucht ausgesprochen werden, und dass Vokale im Anlaut im Sindarin ebenso wie im Deutschen (aber anders als in den romanischen Sprachen) mit einem Knacklaut versehen werden.
Stimmt das, oder ist das im Elbisch-Kurs von Pesch einfach nur der Tatsache geschuldet, dass er dort eine vereinfachte Lautschrift verwendet?
Grüße,
Annaeru
Benutzeravatar

Beiträge: 417

Registriert: Mo Jan 09 2012 16:15

Wohnort: Hagen (D)

Beitrag Fr Aug 12 2016 15:51

Re: Aussprache des Sindarin

annaeru hat geschrieben:Stimmt das, oder ist das im Elbisch-Kurs von Pesch einfach nur der Tatsache geschuldet, dass er dort eine vereinfachte Lautschrift verwendet?

Was meinst du denn mit "vereinfachte Lautschrift"? Wenn da explizit angegeben ist, dass p, t und c aspiriert sind und Wörter, die mit Vokalen beginnen, einen Glottisschlag am Anfang haben, ist das ja schon ziemlich spezifisch :D

Also soweit ich weiß, gibt es keine direkten Hinweise von Tolkien selbst, ob die Konsonanten aspiriert sind oder nicht ... Da Tolkiens Muttersprache Englisch war, könnte man mutmaßen, dass er diese Konsonanten tendenziell aspiriert hat, schätze ich. Aus dem selben Grund würde ich eher vermuten, dass vokalische Anlaute ohne Glottisschlag gesprochen werden. Sicher ist das aber nicht.

Gruß,
smuecke
Benutzeravatar

Admin

Beiträge: 1993

Registriert: Di Mär 13 2007 13:27

Beitrag Sa Aug 13 2016 23:19

Klare Aussagen zu der Aspiration in Sindarin gibt es nicht. Indirekt sieht man z.B., dass Khuzdul khazâd [kʰaza:d] in Sindarin als chaðǭd [χaðɔ:d] adaptiert wurde (später hadhod), mit einem Reibelaut. Allerdings unterscheidet Khuzdul [k], [kʰ] und [g] - das würde man in Sindarin wohl ohnehin mit [k]/[kʰ], [χ] und [g] adaptieren, unabhängig davon, ob das "k" aspiriert ist oder nicht.
Ich würde aber davon ausgehen, dass die Plosive in Sindarin nicht aspiriert sind, weil Tolkien ansonsten die Aspiration immer explizit erwähnt, unaspiriert ist für ihn praktisch der Default-Wert. Z.B. wird in einer der letzten PEs erwähnt, dass in Quenya doppelte Plosive wie in quetta leicht aspiriert sind (die normalen also nicht).

Zu dem Glottisschlag gibt es natürlich viel weniger Angaben, aber dessen Übergebrauch ist doch sowieso eine deutsche Eigenheit, warum sollte das in Sindarin der Fall sein?
Benutzeravatar

Beiträge: 22

Registriert: Di Mai 26 2015 16:36

Wohnort: Nürnberg (B)

Beitrag Fr Sep 01 2017 12:16

Re: Aussprache des Sindarin

Gut, dann hätten wir das (wenigstens teilweise) geklärt. Allerdings ist mir noch etwas aufgefallen:
Im Deutschen dehnen wir stets betonte offene Silben in Wörtern mit mehr als einer Silbe. Daher wird z.B. das erste e in Leben lang ausgesprochen, obwohl es nicht lang ist. Im Sindarin halte ich es für unwahrscheinlich, dass das genauso gehandhabt wird, ebenso wie die allgemeine Kürzung von Vokalen vor Doppellauten. Allerdings passiert es im Deutschen (auch im Film) sehr häufig. Beispielsweise i philin. Beide i sind kurz, es ist kein Längenzeichen zu sehen. Trotzdem wird das erste i im Film eindeutig geschlossen ausgesprochen, was im SIndarin nur bei langen Vokalen (meines Wissens nach) der Fall ist.
Was denkt ihr dazu?
Benutzeravatar

Beiträge: 417

Registriert: Mo Jan 09 2012 16:15

Wohnort: Hagen (D)

Beitrag Fr Sep 01 2017 13:22

Re: Aussprache des Sindarin

Hallo annaeru,
im Deutschen sind kurze Vokale stets offen und lange Vokale stets geschlossen (mit Ausnahme von a und ä, z.B. in Käse, letzteres aber eher im Standarddeutschen, in vielen Mundarten wird ä eher wie ein langes e ausgesprochen). Wenn deutsche Synchronsprecher Sindarin sprechen, also eine Sprache, zu der es auch direkte Referenz durch einen Muttersprachler gibt, liegt es nahe, dass sie das deutsche Artikulationsmuster beibehalten und betonte Silben lang und geschlossen sprechen, sodass z.B. i in betonten Silben [i:] und in unbetonten [ɪ] gesprochen wird. Korrekt wäre (vermutlich), beide i-s gleichsam kurz und geschlossen auszusprechen.
Benutzeravatar

Beiträge: 22

Registriert: Di Mai 26 2015 16:36

Wohnort: Nürnberg (B)

Beitrag Fr Sep 01 2017 22:33

Re: Aussprache des Sindarin

Im Deutschen wird in offenen betonten Silben der Vokal stets geschlossen, also gelängt, ausgesprochen. In geschlossenen betonten und unbetonten Silben generell kurz ausgesprochen. Nun ist es im Sindarin so, dass wie im Deutschen lange Vokale stets geschlossener und damit mit mehr Spannung gesprochen werden. Das einzige, was das Sindarin vom Deutschen unterscheidet, ist eben, dass nicht automatisch jede betonte offene Silbe einen geschlossenen langen spannungsvollen Vokal trägt.

Zurück zu Sindarin-Grammatik

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste

Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Designed by ST Software.
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de