Umgangssindarin


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Beitrag Fr Aug 27 2010 17:08

Umgangssindarin

Für mich liegt ein ganz wesentlicher Reiz dieser Sprache in ihrer Verwendung - so eingeschränkt das auch nur möglich sein mag. Und gerade scheinbar einfache Dinge machen mir dabei Schwierigkeiten. Zum Beispiel...

Wenn man jemanden anspricht
Es gibt wohl die zwei Paare brannon / brennil und hîr / hiril (oder heryn), wobei aber beiden einen recht hohen Stand auszudrücken scheinen. Weil hîr auch "Meister" heißt vermute ich, ist brannon / brennil gewöhnlichen Leuten gegenüber vorzuziehen, während das andere Paar für hochstehenden Persöhnlichkeiten eher angemessen wäre.
- Oder wäre es besser zu "mischen" - brannon / hiril ?
- Darf ich annehmen, daß mae govannen, brannon (mit oder ohne dem Namen dieses Herren), und auch ..., brannon nîn, ..., brennil elleth oder sogar ..., brennil adaneth sinnvoll sind ?

Gruß und Abschied
Mae govannen gibt es natürlich, sowie Ai ! und Verschiedenes mit suila- (Suil !, Suilad !, (Le/Gin) suilon), zum Abschied kenne ich nur cuio vae und *Novaer - wobei ich "leb wohl" aber nicht gerade schön finde. Hier im Forum bin ich auch auf *aladol für "willkommen" gestoßen, was mich sehr erfreut hat.
- Nun frage ich mich, ob es Grund gibt zu glaube, daß es (k)eine gute Idee etwas wie ?thîn vaer (Guten abend) oder ?aur vain (Schönen Tag) zu bilden...
- Dann würde ich noch gerne wissen, was ihr von ?an achened für "auf Wiedersehen" halten würdet.
- "Bis bald" scheitert vermutlich daran, daß es weder das eine noch das andere Wort gibt. Es mit etwas wie ?men abevedim ("Wir treffen uns später") zu versuchen scheint mir garkeine gute Idee.
- Eine Möglichkeit "Schönen Abend noch" zu sagen gibt es wohl nicht.

Freundliche Worte
Es gibt - scheint es mir - erstaunlich wenige Worte die etwas mit Freude zu tun haben, namentlich glass (aus dem ich ?glassren - "erfreut/froh" ableiten würde), gell was eher die "Siegesfreude" ist, und meren was Richtung "festlich" geht. Nun kann man wohl ni meren/glassren (Ich bin erfreut / ich freue mich) sagen, aber ginge auch folgendes...
- Nin glass gin achened - (Es ist) mir (eine) Freude dich wiederzusehen. (Ich vermute ein ha oder e würde man nicht davorsetzen, wie beim Wetter - siehe Pedin Edhellen Seite 65)
- Glass annin... - (Es ist eine) Freude für mich...
- Glass nîn... - (Es ist) meine Freude... im Sinne von "Die Freude ist ganz meinerseits"
- Vain uduleg - (Es ist) schön, (daß) du gekommen bist
- Und ließe sich "Wie schön, daß..." ins Sindarin übertragen ?
- Kennt jemand eine sauberere Variante von "Wie geht es dir" als man mathog ?

Bonusfrage
Wie könnte man "ich komme gleich" sagen ?

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Beitrag Sa Aug 28 2010 16:39

glass (aus dem ich ?glassren - "erfreut/froh" ableiten würde


Ich denke, dass -s(s)r- auf jeden Fall zu -thr- würde, vgl. etwa falathren (< falas), also (vielleicht) *glathren.
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Beitrag So Aug 29 2010 18:02

Es gibt wohl die zwei Paare brannon / brennil und hîr / hiril (oder heryn), wobei aber beiden einen recht hohen Stand auszudrücken scheinen. Weil hîr auch "Meister" heißt vermute ich, ist brannon / brennil gewöhnlichen Leuten gegenüber vorzuziehen, während das andere Paar für hochstehenden Persöhnlichkeiten eher angemessen wäre.

Also Sam wird von Aragorn Herdir Perhael 'Master Samwise' genannt, allerdings schon nachdem dieser zum Bürgermeister vom Auenland geworden ist. Elbereth wird Hîr Annûn *'Lady of the West' genannt. Schließlich wird Arwen indirekt heryn genannt, über den Namen des Pferdes Roheryn = roch heryn, roch e-cheryn.

zum Abschied kenne ich nur cuio vae und *Novaer - wobei ich "leb wohl" aber nicht gerade schön finde

In PE17:162 finden sich auch einige andere Formeln in Quenya, die übersetzungswürdig sein könnten (was auch den Vorteil hat, näher an elbischen Idiomen zu sein):
alámen(e)! 'go with a blessing, with good omen!'
áva márie! 'go happily'
márienna! 'to happiness'
(hara) máriesse '(stay) in happiness' (komischerweise nur bei Begrüßung)
Und dann gibt es natürlich noch den Wunsch von Elben zu Menschen:
Merin sa haryalye alasse nó vanyalye Ambarello 'I hope that you have happiness before you pass from the world'

- Nin glass gin achened - (Es ist) mir (eine) Freude dich wiederzusehen.

Nicht eher glass enni/annin?

- Vain uduleg - (Es ist) schön, (daß) du gekommen bist

Das scheint mir eine deutsch-idiomatische Verwendung von "schön" zu sein. Ich würde eher wieder auf mae, mael (PE17:162) zurückgreifen, vielleicht einfach *mae dolen.

- Und ließe sich "Wie schön, daß..." ins Sindarin übertragen ?

Hier hat man leider wieder nur Quenya ye mána ma 'what a blessing, what a good thing', was passend zu sein scheint.

- Kennt jemand eine sauberere Variante von "Wie geht es dir" als man mathog ?

Aus Q. felme ließe sich *feled rekonstruieren, und dann *man i feled lîn?.

Wie könnte man "ich komme gleich" sagen ?

*Telithon lim/lagor?

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Beitrag Mo Aug 30 2010 16:39

Ailinel hat geschrieben:..., also (vielleicht) *glathren.
Danke ! Das klingt besser.

Aran hat geschrieben:Nicht eher glass enni/annin? [anstatt Nin glass]
Ich habe ja beides verwendet in meinen Ideen, vermutend daß beides zulässig sein sollte (auch wenn es mit enni/annin wohl klarer ist).

Aran hat geschrieben:[zu "bain uduleg"] Das scheint mir eine deutsch-idiomatische Verwendung von "schön" zu sein. Ich würde eher wieder auf mae, mael (PE17:162) zurückgreifen, vielleicht einfach *mae dolen.
- Das ginge in Richtung "Willkommen!" (im Sinne eines Grußes) scheint mir, was weniger meine Absicht war.
- Daß bain (wieso zum Geier hatte ich das überhaupt leniert...) hier nicht ganz sauber ist denke ich auch, andererseits will ich aber auch nicht dauernd mae/maer verwenden... und gerade maer (bei maer uduleg, wenn man es so fassen wollte) paßt ja von der Bedeutung her (useful, fit, good (of things)) auch nicht recht.
- Heißt das, daß maer ungültig geworden ist, oder ist mael einfach die spätere Variante des Wortes, oder bloß gleichbedeutend ? Oder ein "gut" mehr im Sinne von "schön, günstig" ? ...die weiteren Wortsinne schrecken mich ehrlichgesagt von der Verwendung ab, muß ich zugeben.

Aran hat geschrieben:Quenya ye mána ma 'what a blessing, what a good thing'
Ich habe leider so gut wie keine Ahnung von Quenya... ich bin aber auf folgendes gestoßen:

Ardalambion hat geschrieben:yé (1) interjection "lo!" (VT47:31), also occurring in Aragorn's exclamation when he found the sapling of the White Tree. (Compare yéta-.) Also in the ejaculation yé mána (ma) = “what a blessing” or “what a good thing!“ (VT49:41). The more literal meaning would seem to be *“behold the blessing!”
...was mich dazu leiten würde zu glauben, daß man Alae i 'alu ! oder Alae galu ! sagen könnte. Entsprechend würde man "Wie schön, daß..." vielleicht einfach mit Alae! ... wiedergeben.

Aran hat geschrieben:Aus Q. felme ließe sich *feled rekonstruieren, und dann *man i feled lîn?.
Q. felmë heißt wohl "impulse, emotion", was - mir scheint - auch nicht gerade sauber wäre, wenn feled nur eine Umsetzung des Quenyawortes ist. ...irgendwie sollte man ja am besten auf "Befinden" kommen.


Noch ein paar Fragen:

- Wie könnte man beispielsweise "Laßt uns gehen." ausdrücken ? Ich würde vielleicht aniranc pedi, pedithanc aen oder einfach pedithanc versuchen, bin aber mit keiner Variante recht zufrieden.

- Wenn ich sagen möchte "Er ist ein Freund von mir.", darf ich dann wie im Deutschen Ho mellon en-nin. bauen ? ...Ho mellon nîn wäre ebensogut (oder noch eher ?) als "Er ist mein Freund" zu verstehen, und ich frage mich ob auch die erste Variante erlaubt wäre.

- Pân/pain verwirrt mich etwas, denn es ist als Eigenschaftswort angegeben. In dieser Weise verwendet wird es doch aber immer nur in der Mehrzahl stehen. Deshlab frage ich mich, ob man es womöglich auch ohne Hauptwort, und dann in der Einzahl benutzen darf... Also nicht nur i noeg bain mi-habar (alle Zwerge sind in der Mine), sondern auch pân mi-habar (alle sind in der Mine) ?

- Und zum Abschluß suche ich heute "Ich will nicht mehr kämpfen." (Ich glaube man könnte Dagrannen annan far sagen, aber das ist ja nicht Sinn der Sache.)
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Beitrag Mo Aug 30 2010 18:39

und gerade maer (bei maer uduleg, wenn man es so fassen wollte) paßt ja von der Bedeutung her (useful, fit, good (of things)) auch nicht recht.

Diese Übersetzung ist noch Noldorin, vom Stamm MAƷ- 'hand'. In Sindarin kommt dieser mit der Bedeutung 'serve, be of use' zwar wieder vor, aber maer 'good' ist abgeleitet von MAGA- 'to thrive, be in good state' und fällt auch noch mit maer 'excellent' von MAY- 'excellent, admirable' zusammen.
Als Faustregel im Elbischen gilt, dass ein Wort in einer anderen Quelle mit einer anderen Nuance in der Übersetzung vorkommen wird.

- Heißt das, daß maer ungültig geworden ist, oder ist mael einfach die spätere Variante des Wortes, oder bloß gleichbedeutend ? Oder ein "gut" mehr im Sinne von "schön, günstig" ?

S. mael wird einfach nur als ein Adverb 'well' angegeben, dürfte also ein Synonym zu mae sein.

Alae galu !

Das finde ich ziemlich gut.

Q. felmë heißt wohl "impulse, emotion", was - mir scheint - auch nicht gerade sauber wäre, wenn feled nur eine Umsetzung des Quenyawortes ist.

Ach, das passt schon. Übersetzt sind die Worte nicht direkt, aber der Stamm PHEL- steht notiert neben 'emotions [are] divided into two "intertwined" things'. Das ist weiter erläutert mit
'1) physical impulses provided by the body, for its preservation, pleasure, propagation, physical fear, desire, hunger, thirst, sexual desire [...]'
und
'2) impulses arising in the fea, either from [?its own nature] or as affected by horror, love, pity, anger, hate [...]'
Darunter stehen felme, hroafelme, feafelme. Das bedeutet wohl einfach nur, dass Elbisch zwíschen körperlichen und geistigen Emotionen unterscheidet, dabei ist felme das generelle Wort. Will man also speziell nach dem körperlichen Wohlbefinden fragen, könnte man *rhaufeled, *rhofeled verwenden.
Ich weiß nicht genau, was dir "unsauber" erscheint (man darf sich bei solchen Übersetzungen eigentlich schon freuen, wenn man eine Wortwurzel findet, die überhaupt in die beabsichtigte Richtung tendiert). Falls es dich stört, dass felme womöglich ein einzelnes emotionelles Ereigniss bezeichnet, so soll das Gerundium in der Übersetzung ja eher einen Zustand ausdrücken.

- Wie könnte man beispielsweise "Laßt uns gehen." ausdrücken ? Ich würde vielleicht aniranc pedi, pedithanc aen oder einfach pedithanc versuchen, bin aber mit keiner Variante recht zufrieden.

Da wir den Imperativ auch in der 3. Person sehen, vielleicht padro/gwaro inc! (bzw. mit dem 1.-Person-Sg.-Pronomen seiner Wahl).

- Wenn ich sagen möchte "Er ist ein Freund von mir.", darf ich dann wie im Deutschen Ho mellon en-nin. bauen ? ...Ho mellon nîn wäre ebensogut (oder noch eher ?) als "Er ist mein Freund" zu verstehen, und ich frage mich ob auch die erste Variante erlaubt wäre.

Attestiert ist so etwas jedenfalls nicht, auch nicht in Quenya. Wenn man Besitz emphatischer ausdrücken will, würde ich zum Possessiv-Suffix greifen, also *e mellonen (ho ist ein mask. Noldorin-Pronomen, nach dem HdR scheinen elbische Pronomen nur eine Unterscheidung belebt/unbelebt, aber nicht männlich/weiblich zu haben).

- Pân/pain verwirrt mich etwas, denn es ist als Eigenschaftswort angegeben. In dieser Weise verwendet wird es doch aber immer nur in der Mehrzahl stehen. Deshlab frage ich mich, ob man es womöglich auch ohne Hauptwort, und dann in der Einzahl benutzen darf... Also nicht nur i noeg bain mi-habar (alle Zwerge sind in der Mine), sondern auch pân mi-habar (alle sind in der Mine) ?

Wenn ich wieder Quenya zitieren darf, haben wir da ilye tier 'all paths', ilya 'all, the whole'; und quant' i lie 'all the people'. Ersteres ist ein count noun, zweiteres ein mass noun.
Ich würde in Sindarin folgendes erwarten: diskrete Objekte oder Personen kriegen pain, kontinuierlich messbare pân.
Es ist eben nur so, dass diskrete Objekte manchmal als kontinuierlich gezählt werden, insbesondere wenn sie nicht unmittelbar zählbar sind, die Verwendung unterscheidet sich aber von Sprache zu Sprache ("viel Fisch, der ganze Fisch", aber "viele/alle Früchte" - im Englischen dagegen 'a lot of fruit/all the fruit'). Wir wissen nicht genau, was in Sindarin darunter fällt. Bei dem Beispiel aller Zwerge (einer bestimmten Gruppe) in der Mine würde ich aber jedenfalls *pain mi habar sagen, es sei denn es geht um das ganze Zwergenvolk.
Es ist auch schwer zu sagen, ob Sindarin womöglich zwei verschiedene Wörter verwendet, wie im Deutschen "das ganze" für kontinuierliche und "alle" für diskrete, aber #pân sieht jedenfalls von KWAT- abgeleitet aus (*kwat-nā?), woher quanta im oberen Beispiel stammt.

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Beitrag Mi Sep 01 2010 15:41

Aran hat geschrieben:Diese Übersetzung ist noch Noldorin, vom Stamm MAƷ- 'hand'. In Sindarin kommt dieser mit der Bedeutung 'serve, be of use' zwar wieder vor, aber maer 'good' ist abgeleitet von MAGA- 'to thrive, be in good state' und fällt auch noch mit maer 'excellent' von MAY- 'excellent, admirable' zusammen.

*fügt den Etymologies eine Lage schwer lesbarer Bleistiftnotizen hinzu*

Aran hat geschrieben:[zu Q. felmë]Ich weiß nicht genau, was dir "unsauber" erscheint...

Mir scheint, daß *feled ein Wort für das Empfinden ist - man sich also nach der Stimmung erkundigt, nicht nach dem Befinden. Und daß die Frage dementsprechend unangemessen wäre, wenn die Antwort vielleicht ist "ich bin müde und mir tun die Füße weh". Aber das ist vermutlich Haarspalterei.
Du sagst da noch ganz nebenbei, daß *feled ein Gerundium sei. Heißt das, daß man auch *fel- "empfinden, fühlen (innerlich)" rekonstruieren könnte ?

Aran hat geschrieben:Da wir den Imperativ auch in der 3. Person sehen, vielleicht padro/gwaro inc! (bzw. mit dem 1.-Person-Sg.-Pronomen seiner Wahl).

Ähm, erstmal ?padro ist ein Tippfehler für pado ? Und gwara- finde ich nur als "Goldogrin" mit der Bedeutung "wander, roam, travel (far)", und der Anmerkung es sei zu "gwada-" verbessert worden.
Abgesehen davon, verstehe ich deinen Vorschlag richtig, daß du also für "ich sollte gehen" ?pado ni sagen würdest ? Folglich "Gehe ! / Geht !" mit einem Pronomen im ersten Fall dazu, welches die Angesprochenen bezeichnet.

Aran hat geschrieben:Wenn man Besitz emphatischer ausdrücken will, würde ich zum Possessiv-Suffix greifen...

Will ich aber garnicht - eher das Gegenteil. Ich frage mich ob es die Unterscheidung gibt zwischen "er ist mein Freund" und "er ist einer meiner Freunde". In Sindarin mag das völlig unnötig sein, wenn man nicht (wie im Deutschen) mit mellon nîn eine Sonderstellung dieses Freundes ausdrückt. Ich kann mir schon denken, daß soetwas kaum zu beantworten ist... mein Gedanke war eigentlich nur, wenn ich schon an + Fürwort machen darf, darf ich dann auch andere Präpositionen/Präfixe auf Fürwörter loslassen ? (Anderes Beispiel: *Ion nîn dhortha na nin. Mein Sohn wohnt bei mir.)

Aran hat geschrieben:Ich würde in Sindarin folgendes erwarten: diskrete Objekte oder Personen kriegen pain, kontinuierlich messbare pân. [...]würde ich aber jedenfalls *pain mi habar sagen

Also etwa ebent i ýr bân na Imladris (Sie redete während des ganzen Weges nach Bruchtal) - das leuchtet mir ein. Und daß man pân/pain wohl tatsächlich als Fürwort hernehmen darf freut mich natürlich sehr.

Aran hat geschrieben:Q. márienna(e) ! 'to happiness'

Würde man soetwas eigentlich inhaltlich übersetzen (?na 'lass !), oder gäbe es die Möglichkeit das Wort an sich zu übertragen ? Ich frage so dumm, weil ich aufgeschnappt habe, daß manchmal auf der Grundlage von Quenya rekonstruiert wird (*ias), indem Quenyaendungen Verwendung finden (-sse).


Ach, und noch etwas...
Du (und auch Andere hier) antwortest hier rasch und erstaunlich umfangreich, gräbst Quellen aus und erklärst auch wenn ich es einmal nicht kapieren will immer weiter - egal was ich gerade für komisches Zeug frage. Das beeindruckt mich ganz schön, und ich möchte mich bedanken.
Ich hoffe nur ich gehe niemandem auf den Wecker ("Oh klasse - schon wieder ein halbes dutzend hochspekulativer Fragen...").
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Beitrag Mo Sep 06 2010 20:07

Du sagst da noch ganz nebenbei, daß *feled ein Gerundium sei. Heißt das, daß man auch *fel- "empfinden, fühlen (innerlich)" rekonstruieren könnte ?

Ja, ein Verb *fel- scheint sehr wahrscheinlich zu sein, in Quenya ist -me oft deverbal: cil- 'choose', cilme 'choosing', kar- 'do', carme 'art, making', mel- 'to love', melme 'love'.

Ähm, erstmal ?padro ist ein Tippfehler für pado ? Und gwara- finde ich nur als "Goldogrin" mit der Bedeutung "wander, roam, travel (far)", und der Anmerkung es sei zu "gwada-" verbessert worden.

In PE17:34 findet sich padra- 'walk', pad- 'step' oder auch Q. pata-, S. pad- 'walk'. Dafür ist das zweite aber ein Tippfehler für gwa-, gwaen 'I go' (PE17:148).
Hm, dabei sehe ich, dass es eigentlich keinen Grund gibt, beim Imperativ ae zu haben, das scheint sich von der 1. Person Sg. abzuleiten: *wa-in- > gwaen. Beim Imperativ hätte man theoretisch *wa-ā > *gwô (?). Das ist komisch.

Abgesehen davon, verstehe ich deinen Vorschlag richtig, daß du also für "ich sollte gehen" ?pado ni sagen würdest ? Folglich "Gehe ! / Geht !" mit einem Pronomen im ersten Fall dazu, welches die Angesprochenen bezeichnet.

Ich denke schon. Wenn i arnad lîn das Subjekt von tolo sein kann, scheint es für mich plausibel zu sein, an dessen Stelle auch ein Pronomen verwenden zu können.

Will ich aber garnicht - eher das Gegenteil. Ich frage mich ob es die Unterscheidung gibt zwischen "er ist mein Freund" und "er ist einer meiner Freunde". In Sindarin mag das völlig unnötig sein, wenn man nicht (wie im Deutschen) mit mellon nîn eine Sonderstellung dieses Freundes ausdrückt. Ich kann mir schon denken, daß soetwas kaum zu beantworten ist...

Im Deutschen (und Englischen 'a friend of mine') macht ja der unbestimmte Artikel den Unterschied und man muss auf die Konstruktion mit der Präposition ausweichen, weil ein Possessivpronomen nicht zusammen mit einem Artikel verwenden werden kann.
Nachdem es in Sindarin aber keinen unbestimmten Artikel gibt, scheint mir das so nicht machbar zu sein..

mein Gedanke war eigentlich nur, wenn ich schon an + Fürwort machen darf, darf ich dann auch andere Präpositionen/Präfixe auf Fürwörter loslassen ? (Anderes Beispiel: *Ion nîn dhortha na nin. Mein Sohn wohnt bei mir.)

Ja, Präposition + Pronomen scheint der Weg zu sein. Wenn es hier besondere verschmolzene Formen geben sollte, dann kennen wir sie nicht.
Ob na die Bedeutung von "bei" hat, ist natürlich eine andere Frage...

Also etwa ebent i ýr bân na Imladris (Sie redete während des ganzen Weges nach Bruchtal) - das leuchtet mir ein.

Ja, aber ich würde hier râd verwenden, woher ist denn ýr?

Würde man soetwas eigentlich inhaltlich übersetzen (?na 'lass !), oder gäbe es die Möglichkeit das Wort an sich zu übertragen ? Ich frage so dumm, weil ich aufgeschnappt habe, daß manchmal auf der Grundlage von Quenya rekonstruiert wird (*ias), indem Quenyaendungen Verwendung finden (-sse).

Ein Überbleibsel vom Lokativ scheint sich in ennas < *entassē zu finden, daher wird *ias rekonstruiert. Mit Allativ *galassennā hätte man *glassen, aber das überschneidet sich mit dem Possessiv-Suffix -en. Und überhaupt sollte man vielleicht nicht zu solchen Dingen greifen, wenn man nicht muss.

Ich hoffe nur ich gehe niemandem auf den Wecker ("Oh klasse - schon wieder ein halbes dutzend hochspekulativer Fragen...").

Naja, so oft kommen sie gar nicht (Tatoos und Eheringgravuren sind in der letzten Zeit viel häufiger). Es ist aber nur bei solchen Fragen, dass man sich in die Sachen richtig hineinversetzt und Neues dazulernt (für beide Seiten).

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Beitrag Di Sep 07 2010 9:47

Aran hat geschrieben:Ob na die Bedeutung von "bei" hat, ist natürlich eine andere Frage...

In Pedin Edhellen heißt es "na, before vowels also n’ (to, towards; at)". Ich finde es zwar ungünstig "auf ... zu" und "bei" mit dem gleichen Wort auszudrücken, aber es ist immernoch besser als "bei" garnicht ausdrücken zu können.

Aran hat geschrieben:..., woher ist denn ýr?

Das habe ich hier im Wörterbuch gefunden, und es soll aus aus Etymologies (Seite 400) und "X/IU" stammen, was auch immer letzteres bedeutet. Es schien mir angemessen, weil es auch mit "Strecke" wiedergegeben werden kann.


*fel-, padra-, pad-... schon wieder soviele schöne neue Worte !
Nur - wenn sie nicht in der Wortliste landen, dann muß ich wohl mein eigenes Wörterbuch anfangen.
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Beitrag Di Sep 07 2010 20:34

Das habe ich hier im Wörterbuch gefunden, und es soll aus aus Etymologies (Seite 400) und "X/IU" stammen, was auch immer letzteres bedeutet. Es schien mir angemessen, weil es auch mit "Strecke" wiedergegeben werden kann.

Das X bedeutet, dass hier eine "Regularisierung" stattgefunden hat, d.h. in Noldorin wird *jurā > iôr, was in den Etymologies steht, aber später haben wir in Sindarin julmā > ylf attestiert, was die frühere Form zu *ŷr macht.
Hm, aber 'course' wäre für mich eher der Laufweg eines Pferdes als eine Reisestrecke.
Übrigens wird vom selben Stamm Altnoldorin yurine 'I run' abgeleitet, was in Sindarin zum Verb *yr- 'run' werden würde.

pad-

Übrigens, was die Verbklasse angeht, ist Tolkien leider nicht immer konsistent bei seinen Angaben, z.B. zitiert er neben teitha- auch teith- (PE17:43).
Das mag damit zusammenhängen, dass in Sindarin Endvokale eigentlich wegfallen oder mit etwas anderem, jedenfalls ist es in Quenya aber pata-. Ich würde deshalb dazu tendieren, das Verb in diese Gruppe einzuordnen, demnach *padon, *padog, *pada, Ger. *padad, Verg. *pant, *padas. In der Standardzitation wäre es *pada-
Das deckt sich auch damit, dass von aphad- das Substantiv Aphadon abgeleitet wird, wie auch fara-, #farad, faron, während man bei Stammverben normalerweise andere Ableitungen findet.

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Beitrag So Okt 17 2010 16:43

Es gibt ja eine ganze Reihe von Worten, die für verschiedene Tageszeiten verwendet werden könnten. Nehmen wir also an ein Treffen wurde vereinbart, und ich bestätige es mit Darthathon achin ne minuial nivarad (Ich warte morgen früh wenn es dämmert auf dich). Für minuial könnte man - so hoffe ich - auch folgendes einsetzen, in zeitlicher Reihenfolge:

Minuial - Morgendämmerung (Ist vermutlich an dieser Stelle klarer als nur uial.)
Amrûn - Sonnenaufgang
Aur - Morgen, aber auch Tag (In Zusammenhang mit "morgen" ist das eindeutig, sonst muß man wohl auf amrûn ausweichen.)
Vormittag kann man vermutlich einfach mit aur ausdrücken.
*Enedaur - Mittag (Meine Erfindung.)
Nachmittag kenne ich nicht, und wäre wohl auch schwer zu bilden.
Thîn - Abend
Aduial - Abenddämmerung
Annûn - Sonnenuntergang
- Einbruch der Dunkelheit, aber auch Nacht (In Exilic Noldorin nimmt man für "Nacht" stattdessen fuin - hat das für Sindarin noch eine Bewandnis ?)
Tinnu - Die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang ? (...fällt im Sommer also auch 'mal aus)
Daw - Nachtzeit oder Finsternis (Ist môr in diesem Zusammenhang wohl vorzuziehen.)
Fuin - (Mitter-) Nacht, aber auch Nachtschatten (Wäre wohl nicht zu verwechseln.)

Worte für "früh" und "spät" gibt es nicht, oder ?

Und zu meinem Satz vom Anfang noch...
- Gehe ich richtig in der Annahme, daß man auch im Sindarin die Gegenwartsform für zukünftige Geschehnisse verwenden darf, wenn es aus dem Satz klar ist ? Also Darthon achin ne minuial nivarad.
- *nivarad habe ich aus Pedin Edhellen, und es soll "morgen" im Sinne des folgenden Tages heißen. Was mich dabei interessieren würde ist, kommt das von NIB- (face, front) ? ...und wenn ja, ist dieses *niv- als Vorsilbe mit der Bedeutung "bevorstehend" übertragbar ?
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Beitrag Mo Okt 18 2010 4:30

Worte für "früh" und "spät" gibt es nicht, oder ?

Wie wäre es zum Beispiel damit, ab (after) und io (ago/before) zu nutzen, um Beziehungen zu existierenden Zeiten auszudrücken?

Also z.B. io thîn für vor dem Abend = Nachmittag?

Da io in Bezug zu thîn steht, würde ich eine Mutation erwarten, bin mir aber sehr unsicher, ob und welche...
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Beitrag Mi Okt 20 2010 14:03

io steht in den Etym's als 'ago', und anders würde ich es auch nicht verwenden. Es gibt aber Q. epë = 'before' (VT 42:32), daraus hat Aran für unsere Zwecke hier S. *eb abgeleitet, das würde hier vielleicht besser gehen. Zur Not ginge vll. auch na = 'towards (of space/time)', iSv 'kurz vor'.
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Beitrag So Okt 24 2010 17:50

Es gibt aber Q. epë = 'before' (VT 42:32), daraus hat Aran für unsere Zwecke hier S. *eb abgeleitet, das würde hier vielleicht besser gehen.

Es ist aber nicht direkt aus Quenya, sondern eher aus Eblaer, Cadlaer *'Before-summer, After-summer', Ephriw, Cathriw *'Before-winter, After-winter' (PM:136).
Damit könnte man vielleicht *ebaur, *cadaur *"Vormittag, Nachmittag" bilden, wenn man es unbedingt braucht.

Worte für "früh" und "spät" gibt es nicht, oder ?

In Quenya gibt es zumindest für "früh" arinya, das ist etymologisch "morgentlich"; in S. dann *auren oder als genauer Reflex *aurein, *aurain. Alternativ auch mit o, ó statt au.

- *nivarad habe ich aus Pedin Edhellen, und es soll "morgen" im Sinne des folgenden Tages heißen. Was mich dabei interessieren würde ist, kommt das von NIB- (face, front) ?

Ja.

...und wenn ja, ist dieses *niv- als Vorsilbe mit der Bedeutung "bevorstehend" übertragbar ?

Plausibel wär's zumindest.

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