Beitrag Mo Jun 11 2007 17:15

Quantitative Metrik

So, mal in einem fremdem Bereich wildern! :o

Mich hat es immer gedauert, dass im Gedicht San Ninqeruvisse Lútier aus dem Secret Vice (MCE) das strenge quantitative Metrum im Wort alkantaméren verletzt war, denn das Metrum ist:

– – u u – u – u = ("–" lange Silbe, "u" kurze Silbe, "=" lange oder kurze Silbe)

Aber die Zeile alkantaméren úrio hat das Schema:

– – u – u – u u

Es fehlte also die zweite kurze Silbe des Paars. Für mich ergänzte ich die fehlende Silbe als alkantamaméren, damit ich mir das Gedicht trotz der fehlenden Silbe laut vortragen konnte, aber das entbehrte selbstverständlich jeglicher Grundlage und war eine rein willkürliche Marotte.

Mit PE 16 hat sich nun aber herausgestellt, dass im Secret Vice das m ein Druckfehler war statt des richtigen ni, wie Helios schon beobachtet hatte (lambengolmor #990). Die Zeile lautet also alkantaniéren úrio, so dass gar keine Silbe fehlt und das Metrum erfüllt ist.

Da es nun also endlich möglich ist, das Gedicht im korrekten Metrum vorzutragen, habe ich nun so eine Aufnahme gemacht, um die Wirkung des quantitativen Metrums zu erproben, denn das quantitative Metrum hat mich schon immer fasziniert. Ich habe ein paar Mal üben müssen, denn etwa bei der Hälfte der Kommas verbietet sich aus metrischen Gründen das Atemholen, aber schliesslich hat mir der Schnauf doch gereicht. Die Qualität der Aufnahme ist zwar schlecht, denn im Hintergrund schnurrt der Computer, aber wenn ihr es dennoch anhören und beurteilen wollt, da bitte:

san_ninqeruvisse.mp3 (480 KB)