Interessantes aus PE21


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Beitrag So Okt 06 2013 17:32

Interessantes aus PE21

Neue Wörter (Auswahl):

Mehr oder weniger komplett neu:
Q. laite 'colour' (7) - Das stammt allem Anschein nach von LAYA- (VT45:26) *'green/summer' ab. In natürlichen Sprachen scheint mir "Farbe" mit "rot" assoziiert zu werden, z.B. Sp. colorado, Russ. крас-, aber im Elbischen ist das Grün prominent, so ja auch calen 'bright -< green'.
Q. pamba 'ball' (8)
Q. haro 'hawk' (8)
Q. lopotundu 'rabbit-hole' (10)
Q. miue 'cat' (13)
Q. ahtumat 'supper' (32,37), oft ahtumatt- - Nachdem st~ht auf S. 8 erwähnt wird, könnte das von AS- 'warmth' (PE17:148) stammen, also "Mittagessen". Alternativ vielleicht aus AT- 'two', mit t-t < *ht (wir kennen t-t < st VT42:18), also "zweite Mahlzeit".
Q. filet, filek- 'cobweb' (33)
Q. hó- 'shout' (38) (lautmalerisch)
Q. katal/katil 'carving tool' (56,71)
Q. sorasta 'equipment' (69)
SATHA- 'pair' (74), keine abgeleiteten Formen

Neuer Wortlaut für bekannte Wörter:
Q. sút 'pain' (19,24)
Q. hun 'earth' (24)
Q. 'land' (38)
Q. 'moon' (38)
CE okhor 'blood' (71), verwandt mit khō-n 'heart'

Speziell Noldorin/Sindarin für die Wortlisten:
EN flinc 'sparrow, small bird' (56), 'finch' (71-72,81)
EN cīr 'ship', círiath 'ships' (57) (nicht ceir/cair)
S. maelig 'wealth, abundance' (80) < CE máiliki, MILIK-
S. trunc 'great stake' (80)

Außerdem noch Telerin:
T. ho 'from' (78)

Personen- und Ortsnamen:

Personen:
Q. Sangian entspricht Sangahyando (32)
Thār, Name von Orome (82)
Q. Erva, Ervon als Alternativen zu Eru (83)
Q. Aldanil, Aldannil, N. Gelennil, Gledhennil 'Lover of Trees' (83)
Q. Quennar of Túna (84) hat MENEL- erfunden (danke, Quennar!)
Q. Malaphinde 'Goldilocks' (86)
Q. Anarkalin (86)

Orte:
Q. Arandor, ON Arandur, N. Arannur (32), interessanterweise aus arʒā 'dread'
N. Cílu (32) scheint Hísilóme zu entsprechen - ich kann ja nachvollziehen, dass das s und das m in χīsi-slōmē wegleniert werden - aber warum nicht *Hílu - Nord-Dialekt?
Q. Astulat, Astulaht- 'Bony ridge' (37)

Urelbische Vokale:
Anscheinend hatte CE mindestens 8 Vokale, darunter geschlossene ẹ, ọ [ε, ɔ] und das Schwa [ə].

Gräzisierung:
Τελιμέχταρ, Mανδος, Mανυε, Mανυη, Mάνϝε (55)
Jede Sprache sollte eine Gräzisierung haben. Digammas machen mich glücklich.

Urelbisch-Sätze:
góndōr dantār > Q. ondor lantar illustriert die Ausbreitung des Plural-r in Quenya auf Substantive. In Noldorin: góndōi dantār > gondoi dantar > ON gondī dantar (58)
Man beachte, dass sich hier das ā verkürzt, sodass es *dannar statt *dannor wird; und das oi zu langem ī wird. Dagegen wird ui zu y, weshalb wir historische Plurale wie yrchy < *orkui haben.
Die spätere Version ʒondōn/-on đantār/-ar (63) zeigt die Konzeption, dass im Urelbischen alle stimmhaften Stopps zu Reibelauten werden, wie etwa im Neugriechischen, was in Sindarin am Wortanfang wieder rückgängig gemacht wird.
2. ni-ndakubākyē, uklainā ndere 'I will slay thee, wicked man' (65): Wie genial ist das denn, das wird ab jetzt mein Ausruf bei diversen Computerspielen.

Obliquus
Auf S. 64 und 66-67 wird erklärt, dass Urelbisch nur zwei Fälle kannte: subjective und objective, zweiteres wird heutzutage normalerweise Obliquus (oblique) genannt. Er wird für alles außer Nominativ verwendet: direktes Objekt, indirektes Objekt, Objekt einer Präposition (epe ndere 'after the man'). Wenn es zwei Objekte gibt, dann steht das direkte vor dem indirekten. Falls das indirekte Objekt eine Person ist, dann kann es auch vor dem direkten Objekt stehen.
Das ist offenbar nichts anderes als die Belebtheitshierarchie "Menschen < Tiere < Gegenstände", die sich in Sprachen in ganz verschiedener Form widerspiegelt. In diesem Fall: Wenn ein Mensch der Rezipient ist, dann ist das direkte Objekt in den allermeisten Fällen ein Tier oder ein Gegenstand; wenn ein Tier der Rezipient ist, dann ist das Objekt ein Gegenstand. Man braucht in diesen Fällen also nicht mal Wortstellung, um deutlich zu machen, was an wen gegeben wird. Menschen sind viel wichtiger im Diskurs und werden also möglichst weit nach vorne gestellt.
Solche Regeln bestimmen unterliegen auch mit Sicherheit Ónen i-Estel edain - ich werde also die Grammatik entsprechend ergänzen.

Grammatikalisierung:
Tolkien war anscheinend sehr bemüht, so viele Morpheme wie möglich durch Synthese einfacherer Elemente zu erklären.
So entstammt z.B. Pl. -li einer Zusammensetzung mit 'number' (19,57,63-64) und war somit ursprünglich Singular. Pronomen gruppierten sich lose um Verben herum bevor sie zu Inflexionen agglutiniert wurden (72). Die Endung -a, die den Subjektiv formt, entstammt ebenfalls einem Pronomen, also z.B. "Stein, er fällt", wenn ich das richtig verstehe.

Verschiedenes:
- Interessanterweise wird die lange Ablativ-Endung -llo auf S. 18 aus -slō abgeleitet, d.h. einer Kombination aus Lokativ und Ablativ.
- Im späteren Quenya ist Dativ -n mit Allativ -nna verwandt, so auch im früheren Quenya: All. -nta, Dat. -r < -t < -ta (10)
- In Quenya dissimiliert ie+i zu iai: nie, niainen. Gut zu wissen.
- Der Noldorin-Plural-Artikel in entstammt im, mit dem Plural-Element m.
- Die Deklination von ninqeru 'white man, white (male thing or personification)', bzw. 'white man, white male swan, white ship' (15) bestätigt nochmals, dass in der ersten Zeile des Earendel-Gedichts San ninqeruvisse lútier... 'Then upon a white horse sailed Earendel…' gar kein Wort für "Pferd" auftaucht, sondern es einfach heißt "Da segelte Earendel auf einem Weißen…" - die Ambivalenz zwischen weißem Pferd und weißem Schiff macht den poetischen Charakter aus.
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Registriert: Mo Mär 12 2007 22:58

Beitrag Mo Okt 07 2013 10:23

@ Gräzisierung
Jede Sprache sollte eine Gräzisierung haben. Digammas machen mich glücklich.

*rofl* Bild

@ Obliquus
Klingt in Zusammenhang mit dem Linnod ziemlich plausibel. Denn das Versmaß kann eigentlich nicht der Grund für die auffällige Stellung sein. Das würde andersherum sogar reibungsloser funktionieren.


@ Q. filet, filek- 'cobweb'
Ist mir schon beim Durchlesen aufgefallen. Das ist eindeutig ein Fall für unsere Ähnlichkeitenliste. Denn filet m. bedeutet auch in Französisch (neben ein paar anderen Dingen) 'Netz'
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Registriert: Mi Mär 21 2007 16:19

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Beitrag So Okt 13 2013 19:15

Jede Sprache sollte eine Gräzisierung haben. Digammas machen mich glücklich.


Solange es keinen Aorist hat...! :?

Kann ich meine Download-Hiswelóke-Liste wieder aktualisieren :)

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