Neue Deutsche Rechtschreibung - was wann warum wie?


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Beitrag Di Sep 25 2007 12:18

Was mir letztens noch mal wieder auffiel:

Wie ist des denn mit
des Weiteren
desweiteren
des weiteren?
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Beitrag Di Sep 25 2007 12:37

Die Rechtschreibprüfung von OpenOffice bietes mir des weiteren an - frag mich aber nicht, warum...
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Beitrag Di Sep 25 2007 13:10

Die MS-Word Rechtschreibprüfung bietet mir nämlich

des Weiteren


an. Da haben wir's!
Keiner weiß das^^
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Beitrag Di Sep 25 2007 13:58

>des Weiteren
müsste stimmen, wg. Substantivierung "anderer Wortarten" nach § 57(1)

>des weiteren

müsste demnach veraltet sein, auch wenn mein Wörterbuch schon die bloße Existenz einer solchen Redewendung leugnet

>desweiteren

dürfte es nie gegeben haben, ob da eine Verwechslung mit "deswegen" zugrunde liegt?
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Beitrag Di Sep 25 2007 15:21

Eirien hat geschrieben:>des Weiteren
müsste stimmen, wg. Substantivierung "anderer Wortarten" nach § 57(1)

Ja, seh ich auch so.
War mir aber nicht so sicher...


Eirien hat geschrieben:>desweiteren
dürfte es nie gegeben haben, ob da eine Verwechslung mit "deswegen" zugrunde liegt?

Weiß nicht woher ich das habe. Aber ich hab's schon mal irgendwo gesehen.
Aber warum eigentlich nicht? Man weiß in der Neuen RS nie was denen alles eingefallen ist^^
Das ist genau so ein Ding wie weiter_hin. Ich weiß es nicht...
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Beitrag Mi Sep 26 2007 10:36

Mir ist angesichts meines Posts noch ein Gedanke gekommen.
Allerdings nicht der, der in der Klammer steht. Infinitiv mit zu hatten wir ja schon.
Ich meine hier:

etwas ganz Tolles
etwas ganz tolles


Eigentlich müsste das obere richtig sein, da tolles ja durch das etwas substantiviert wird oder? Aber das tut komischerweise meinen Augen so weh :( .
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Beitrag Do Sep 27 2007 8:23

Hmnja, nach etwas, alles, nichts usw. wurden Adjektive ja allerdings schon in der alten Rechtschreibung substantiviert und demnach groß geschrieben, wobei mich immer irritiert hat, dass davon z.B. 'etwas anderes' ausgenommen war, aber das kann ich ja jetzt optional auch groß schreiben.
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Beitrag So Okt 28 2007 21:56

Öhm ja, ich lese hier immer fleissig mit! Und irgendwann poste ich auch all die Sätze, wo ich mir unsicher bin, wenn ich mal nicht zu faul bin, sie mir jeweils gleich abzuspeichern -

Vorerst aber mal eine echt blöde Frage: Gilt die neue deutsche Rechtschreibung auch für die Schweiz? Eigentlich ja, aber z.B. nicht das SZ, das weiss ich, und das steht auch bei Wikipedia so drin. Demzufolge gäbe es aber zwei richtige Arten der Rechtschreibung, je nach Ursprungsland. Und das kann ich mir fast nicht vorstellen... aber Mach weiss das bestimmt :-)

Denn die Frage ist doch: Wie vermeiden wir armen Schweizer, jeweils einer falschen Rechtschreibung verdächtigt zu werden, wenn es doch bei uns korrekt geschrieben ist? :?

Und wenn Unterschiede zwischen D und CH bestehen, wo bitte finde ich diese?

Vielen Dank schon mal im voraus!

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Beitrag Mo Okt 29 2007 5:46

Und wenn Unterschiede zwischen D und CH bestehen, wo bitte finde ich diese?

Zum Beispiel hier, Google sei Dank. :wink:
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Beitrag Mo Okt 29 2007 13:42

Meine Freundin hat mich vor ein paar Tagen auf etwas gebracht, was "groß/klein" sowie ggf. "getrennt/zusammen" angeht:

• Wir sehen uns Freitag abend.
• Wir sehen uns am Freitag-Abend (am Freitag Abend?)
• Wir sehen uns freitags/abends.

So hätte ich das bisher erwartet, lese nun aber auf der ersten Seite bezüglich morgen, dass dies nur noch in der Bedeutung "der Tag nach heute" klein geschrieben wird, dass wir sogar heute Morgen schreiben ("der heutige Morgen" ja ohnehin, da ist es ein Substantiv).
Gilt das nur in diesem Fall, oder generell? Sollte es also "Wir sehen uns Freitag Abend" heißen, obwohl es sich hier um ein Zeit-Adverb handelt, nicht um ein Substantiv?
Habe ich irgendwelche Fälle (sprich: Benutzungsweisen, Formulierungen) übersehen?
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Beitrag Mo Okt 29 2007 13:50

Ich hab mal irgendwie durch Eselsbrücke gelernt, dass Abend und Morgen immer dann groß geschrieben werden wenn's nicht abends oder morgens heißt. Oder jedenfalls so ähnlich... Hmpf, ich glaube das war weder hilfreich noch aktuell... :biggrin:
Zuletzt geändert von Orophin am Di Okt 30 2007 7:40, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag Mo Okt 29 2007 18:07

Fest steht: "Tageszeiten nach den Adverbien vorgestern, gestern, heute, morgen, übermorgen werden großgeschrieben: heute Morgen, gestern Abend."

Fest steht auch: "morgens", "abends", "freitags" etc. immer klein.

Zu deinem Beispiel "Freitag ?Abend" finde ich im Duden (alphabetischerweise unter Dienstag) einigermaßen Unklares: "[am] Dienstag früh beginnen wir, aber am nächsten Dienstagabend, (.) er ist für Dienstagabend bestellt; aber dienstagabends od. dienstags abends spielen wir Skat; am, jeden Dienstagabend; eines schönen Dienstagabends." (!)

Ich verzichte schon lange darauf, diesbezügliche ?Fehler in Texten meiner Schüler irgendwie zu bewerten. 8)
Zuletzt geändert von Ailinel am Mo Okt 29 2007 18:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag Mo Okt 29 2007 18:46

DieWaldlaeuferin hat geschrieben:Gilt die neue deutsche Rechtschreibung auch für die Schweiz? Eigentlich ja, aber z.B. nicht das SZ, das weiss ich, und das steht auch bei Wikipedia so drin. Demzufolge gäbe es aber zwei richtige Arten der Rechtschreibung, je nach Ursprungsland. Und das kann ich mir fast nicht vorstellen...

Es spukt immer noch stark in unseren Köpfen die überholte Vorstellung, die deutsche Standardsprache wäre eine einzige Einheit. Mich dünkt, wenn es ums Englische geht, dann scheint es uns viel naheliegender, dass die Standardsprache nicht überall dieselbe ist. Bei der deutschen Standardsprache verhält es sich genau gleich: Es gibt nicht einen einzigen, ohne Einschränkung allgemeingültigen Standard, sondern es hängt von der Situation ab, also von der Region. Was in der faz ganz natürlich akzeptabel ist, könnte in der NZZ als verquerer Regionalismus befremden, oder umgekehrt (das Nämliche gilt vom Standard).

Ich wüsste nicht anzugeben, woher diese verbreitete Wahrnehmung rührt, es gebe einen einzigen richtigen Standard. Vielleicht hat es damit zu tun, dass mit dem Aufstieg Preussens eine norddeutsch geprägte Standardsprache den Ton angab, anders übrigens noch als zur Zeit der deutschen Klassik, als noch das Meissenische für vorbildlich galt, was jedoch die beiden grossen Weimarer nicht daran hinderte, zeitlebens zu Frankfurtern bzw. zu Schwäbeln. Diese norddeusche Standardsprache war im ganzen deutschen Sprachraum eine künstliche Bildungssprache. Im Norden unterschied sie sich in ihrer eher südlichen Formgebung deutlich von den lokalen Varietäten; im Süden hingegen in ihrer nördlich geprägten Aussprache. Im Hintergrund wirkt vielleicht auch die alte (und im Zuge der Informatik wieder einmal aktuell gewordene) universalistische Idee, Verständigung wäre nur möglich, wenn vorher ein Standard definiert worden wäre. Weiter könnte wohl auch die naive Auffassung hineinspielen, die Standardsprache müsse existieren, denn sie stehe ja einfach da im Duden, zum Anfassen sozusagen. Die präskriptive Sprachauffassung, dass es die eine richtige Form gebe, hat eine lange Tradition, geprägt wohl von unzähligen Generationen von armen Lateinschülern und -lehrern. Die Sprachwissenschaft hat die Verschiedenheit innerhalb der deutschen Standardsprache erst in den 90er Jahren breit thematisiert, also dauert es wohl noch eine Weile, bis diese neue Einsicht in den Schulunterricht durchsickert.

Auf alle Fälle gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Varietäten der Standardsprache auf allen Ebenen, Wortschatz, Aussprache, Syntax und eben auch Rechtschreibung.

Denn die Frage ist doch: Wie vermeiden wir armen Schweizer, jeweils einer falschen Rechtschreibung verdächtigt zu werden, wenn es doch bei uns korrekt geschrieben ist? :?

He nun, da ist wohl zu hoffen, dass das Bewusstsein um die Unterschiede zunimmt. In England muss ja wohl auch niemand mehr fürchten, einer falschen Rechtschreibung verdächtigt zu werden, wenn sie color ohne u schreibt. Um zu erklären, wie das im Deutschen ist, mögen wohl derlei Beispiele aus dem Englischen sehr nützlich sein. Beispiele sind immer nützlich. Und wenn ich keine Zeit habe zum Erklären, dann kann ich mich wenigstens damit trösten, dass ich nichts falsch gemacht habe. Wer mit dem Finger auf mich zeigt, stellt sich nur selber bloss, dass sie die deutsche Standardsprache nicht verstanden hat.

Übrigens hat die Rechtschreibereform auch für die schweizerischen Schreibungen der s-Laute eine Art Neuerung gebracht. Unter Worttrennung am Zeilenende ist jetzt nämlich ausdrücklich erwähnt, dass zwischen s-s getrennt wird genauso wie zwischen anderen Doppelkonsonanten, siehe § 110: «[...] beis-sen (wenn ss statt ß, vgl. § 25 E2 und E3)». Das wurde zwar auch vor der Reform schon so gemacht, war aber nicht geregelt, denn damals galt ss in einem solchen Fall als einfache Ersetzung von ß, so dass demzufolge eher die Trennung bei-ssen mit den Regeln übereingestummen hätte, in Analogie zu bei-ßen --> bei-(ss)en --> bei-ssen. Ich weiss nicht, ob diese Trennung jemals propagiert wurde, bei der eine neue Zeile mit einem Doppelkonsonanten beginnt. Doppelkonsonanten am Zeilenanfang scheinen dem natürlichen deutschen Sprachgefühl zu widerstreben, das eher eine Entzweitrennung der Doppelkonsonanten bevorzugt. Ich kann mich zwar erinnern, das mein Gymnasiallehrer uns einmal darauf hinwies, aber weniger als ernsthaft zu befolgende Regel denn als Kuriosität. Ich vermute, die natürliche Trennung beis-sen war schlicht vergessen gegangen, als die schweizerische ss-Schreibung ins Regelwerk aufgenommen wurde, und ihre Aufnahme in die Reform stellt weniger eine neue Regelung dar, als vielmehr eine explizite offizielle Anerkennung einer längst etablierten und unhinterfragten Regel. Dies würde auch erklären, warum nirgends auf diese Änderung im Regelwerk hingewiesen wird, beispielsweise nicht einmal bei der NZZ.

Damit wird übrigens eine Erklärungsmöglichkeit für die alte Verteilung von ß/ss endgültig hinfällig, dass ss genau dann geschrieben werde, wenn es trennbar sei, sonst hingegen ß, eine gefährlich zirkuläre Erklärung, denn in einem Wort wie beißen würde das ß dadurch begründet, dass die Trennung bei-ßen gelte, aber umgekehrt muss diese Trennung wohl dadurch begründet werden, dass eine Schreibung mit ß vorliege, denn bei einer Schreibung mit ss wäre die Trennung ja beis-sen: Schreibe ß, weil du es nicht als s-s entzweitrennst; trenne es nicht als s-s entzwei, weil du ß schreibst...


Den Freitagabend übrigens schreibe ich am liebsten zusammen... Abend – abends; dazu noch eine Kuriosität: Schon mal gemerkt, dass des nachts überhaupt kein Genitiv ist (trotz Artikel!)?

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Beitrag Mo Okt 29 2007 19:00

Abend – abends; dazu noch eine Kuriosität: Schon mal gemerkt, dass des nachts überhaupt kein Genitiv ist (trotz Artikel!)?

Yes, indeed. (Lt. Duden übrigens des Nachts.) Was ist es? Eine Analogiebildung?
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Beitrag Mo Okt 29 2007 20:45

Ailinel hat geschrieben:
Abend – abends; dazu noch eine Kuriosität: Schon mal gemerkt, dass des nachts überhaupt kein Genitiv ist (trotz Artikel!)?

Yes, indeed. (Lt. Duden übrigens des Nachts.) Was ist es? Eine Analogiebildung?

Analogiebildung schon, aber Analogie wozu? Das s ist bekannt aus verschiedenen Genitiven (ihres Vaters) und aus dem starken Neutrum der Adjektivendung (schönes ..., ein schönes ....). Nun gibt es ja den adverbialen Genitiv eines schönen Tages. Aber die Form tags (etwa in tags darauf oder eben in freitags), wenn sie auch historisch daher stammen mag, scheint doch etwas anderes zu sein, so etwa ist es nicht möglich zu sagen *tages darauf oder *des Freitags (aber eben trotzdem des Nachts, und auch des Morgens, des Abends scheint mir akzeptabel, aber gar nicht sicher bin ich mir bei ?des Mittags).

Dieses s von nachts ist wohl eher eine dritte Art, so etwas wie ein Adverb-s, wie etwa in bereits teils zusehends, ferner auch in Endungen wie -seits -wärts -ens wie in jenseits abwärts bestens, oder die Endung -lings in so hübschen Wörtern wie blindlings bäuchlings. Auch gibt es Wörter, die mit oder ohne ein solches s vorkommen, was teils regional schwankt, vgl. öfter(s) durchweg(s) (zu meinem Erstaunen scheint dieses Wort ohne s verbreiteter zu sein) weiter(s) ferner(s) (hier klingt das s auch für mich ungewöhnlich) oder im hiesigen Dialekt niemer(s) 'niemand'. Interessant sind auch die Unterschiede zwischen anders und anderes oder besonders und besonderes, wobei letztere die bekannte Adjektivendung zeigen.

Eine vierte Art s sehe ich noch in den Wörtern scheints und glaubs, wohl Zusammensetzungen aus 'scheint es' und 'glaube es', aber diese Wörtern sind glaubs eher dialektal. Doch wenn sie auch anders zu erklären sind, haben sie scheints eine ähnlich vage Adverb-Funktion. Und neben scheints gibt es ja auch das praktisch synonyme anscheinends, das in der Bildung wohl eher neben zusehends steht... verwirrends...
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