Deutsche Dialekte

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Eirien
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Post by Eirien »

Jou, de Täien van de Dauwörters... Dat Futur, dat giett in de Duitse Spraoke ja äok goar nit, blouß dat me op Platt nit maol seggen draff: "Ich werde tun/ich werde gehen", dat giett nit: "iek dau/iek gaoh", und daobey seggt me nao wannäiher: "muorgen/kinne Wiäke/ternöggest", un daomet is dat Futur ferrig.

Diän Genetäif giett woall nao, diän briuket me owwer bläoß nao in Sprüökskes ase "Diär Behölpers sind miäh as diär Wuohlliäwers" un säowat daohiär. Wamme owwer seggen well, wiäm wat taukuömmet, muott me't äok sao ümmeschreywen ase bey Ethuil terhäime.
mach wrote: Aha, das isch es Merkmal, won i im dtv-Atlas vor dütsche Sprach ha gfunde: Chunsch du ächt vilech us em Weschtfälische?
Jou, dao sin iek hiär, odder miähr akkraot: iutem Siuerlanne. Ümme niämleck de Spraoke van düese Giegend hey te karakteresäiern, hett se düeset "Ink" füör en Shibboleth 'enuommen, un dao hett se bey 'eriutefungen, dat de Luie et ments im Märksken Siuerlanne briuket, süss segget se üöwwerall "Ey" odder "Ju" odder säowat daofüör. Bat schreywet se denn dao in deyme Atlas drüöwwer?
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Avorninnas
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Post by Avorninnas »

Oiso, bals as jemand interssiert, do hob i a kuaze Übasicht zur boarischen Grammatik g´fundn.

Aber trotzdem is Boarisch ja ned glei Boarisch. Do gibts grod in da Aussprach vo Ort zu Ort grosse Untaschied. Des fangt scho im Kloana o - a Erdinger redt´ganz anders ois wia oaner der vo Minga kummt - und des san blos amoi vierzg Kilomeda. Und bals ma oan "vom Woid" hert, den konn ma eigentli mit am Tegernseer oder - no weida weg - am Werdenfelser übahaupt ned vergleicha. (Es sei denn ma is a Preiß wia mei Bua, der kennt ned amoi Boarisch und Esterreichisch ausanand. :? )
...un daomet is dat Futur ferrig.
Des is im Boarischen grad aso.
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mach
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Post by mach »

(Eirien het gschribe) Eirien wrote:"Diär Behölpers sind miäh as diär Wuohlliäwers"
Ih, da verstan i ja nume no Bahnhof. Übersetzig? Aber es gseht mer sehr nach emne partitive Genitiv uus, sehr interessant also. Bi üs isch der possessiv Genitiv no verbreitet, bispilswys Ändus Chatz, u denn git's als Genitiv-Relikt no nes klitischs, also aaglehnts Pronome ere (es git ere nümm vil 'es gibt ihrer/davon nicht mehr viel') u ds betonte dere (dere git's nümm vil). Aber halt, vor partitive Verwändig lö sech ja o no Relikte la finde, so cha me säge: Es git kener Genitive meh, statt: Es git keni Genitive meh.
Bat schreywet se denn dao in deyme Atlas drüöwwer?
Über ds ink/enk? *nachelueg* Si schrybe nid so der Huuffe. D Charte zeigt der Akkusativ us em Bispilsatz i verstan ech nid. Ir Erklärig heisst's, im Althochdütsche heig's no zwo verschidnigi Forme füre Dativ u der Akkusativ ggä, nämlech iu u iuwich, u je nach Gägend heig sech du di einti oder di anderi Form düregsetzt, u zwar im Norde mit emne "j-Vorschlag" (ju, juch etc.), u di bairischi u di rhynischi ("rhein.") Form göngen uf alti Dualforme zrügg, wo im Weschtgermanische nume no i söttigne Räschten sygen erhalte bblibe, im Gotische dergäge no dür ds Band bezügt syge.
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Eirien
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Post by Eirien »

mach wrote:
(Eirien het gschribe) Eirien wrote:"Diär Behölpers sind miäh as diär Wuohlliäwers"
Ih, da verstan i ja nume no Bahnhof. Übersetzig?
Dat sall saovuil häiten as: "Der Behelfer (= Bedürftigen) sind (= gibt es) mehr als der Wohllebigen (= Reichen)." Un jou, dat is 'nen partetäiwen Genetäif.
Ethuil wrote:Außerdämm isch vor allem bei äldre Laid in de Palz 's "d" zu ämme "r" worre
Jömmer, dat hiätt iek doch beynaoh ratz vergiätten: dat is jao ganz iähnlieck bey uns, de Iutspraoke van tt, teminste tüsker twäi Wokaole, is äok asen rr: me is "ratz ferrig" un gaoht "nao'me Berre". Un jou, dat r artikeluiert me äok liuter met 'me Tipp van diär Tunge.

Et giet äok nao'n epenthiätischen Wokaol, diän briuket me tüsker 'nen Likwied un 'nen annern Konsaunanten, dai da footens dräop folget, daomet me dat lichter iutspriäken kann, säo ase bey 'hellepen' füör 'helfen', odder "op diäm Biärege".
Last edited by Eirien on Fri Apr 20 2007 9:02, edited 1 time in total.
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Maewen
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Post by Maewen »

Meen lieba Scholli, wenn ick det allet hier so lese, kommt mir meene eijene Sprache ja richtich langweilich vor :-) Deshalb viellaicht noch 'ne kleene Kurjosität: Det Urberlinarische vatauscht jerne Akkusativ un Dativ, Sätze wie "ick liebe dir" dürftn der Alljemeinheit ja bekannt sein...

Liebeserklärung auf Berlinisch

Ick liebe dir, ick liebe dich,
wie’ t richtig heißt, dit weeß ick nich.
Ick bin for dir wie karirtet Papier –
uff mir kannste rechnen.

(Arndt-Thoms)
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Ithrenwen
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Post by Ithrenwen »

Mach wrote:Ah, lue da, de git's das also o no a andernen Orte! Bim Rede bring i die Underscheidig nid zstand, aber bekannt isch si mer scho no, u di ygebornigere under myne Bekannte bruuche se flüssig ir Alltagssprach. Bi üs heisst's aber zwe Manne – zwo Froue – zwöi Ching, u offebar stimmt das o mit der alte Differänzierig übery, vgl. Ytrag zwöi im dütsche Wörterbuech. Chönnt's sy, das du di da tosche hättsch, oder isch das ächt e bsunderi saarländischi Lutentwicklig? U git's de im Saarländischen o d Genusdifferänzierig bim Wort drü no: drei Manne – drei Froue – drü Ching?
ei awer do fragschd misch a weih Sache... Et is meeschlisch, dat dat wat mit de Ordstipische Unnerschiede zu duh hat, awer wisse duh isch dat jo jetz net.
Mir selwer geht dat aach so wie Dia, dat isch dat beim schwätze selwer net berücksichtige duh (da mergd ma iwerigens den pälßische Eenfluß mit dem „tun“, ne ;-) ) Darrederum wißt isch aweih aach net, wie dat mit da „dree“ rischtisch heeße mißt. Do mißt isch dann mo eene von meene Bekannde faachn. Isch denk halt dat is aach eher wat dat ausschirbt.

> im Saarland nach altem französischem Vorbild

Mir mache noch ganz annere Dinger nach’m franzeesische Vorbild. Emm Saarlänner is zum Beschbil nie „kalt“. De Saaränner „hat“ kalt.

un wenn isch dann grad Maewens "Ick liebe dir" lees, fällt mir dazu noch uuser wohl grammadikalischster Gebuddigs inn: "Kommo bei misch" 8)
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mach
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Post by mach »

Ithrenwen wrote:Mir mache noch ganz annere Dinger nach’m franzeesische Vorbild. Emm Saarlänner is zum Beschbil nie „kalt“. De Saaränner „hat“ kalt.
Das säg i emel o ir Standardsprach eso. Was der wälsch Yfluss aageit: Im alte Patrizier-Bärndütsch hei si im Underschid zu den andere Varietäte, em Dialäkt vo den altygsässnige Burger, em Dialäkt vor Underschicht und em Dialäkt vor Landschaft, der "r" nid mit em Zungespitz, sondern im Rache grollt, mal abgseh dervo, das em Patrizier-Dialäkt o di uffälligschte Merkmal vom Bärndütsche fähle, nämlech d Vokalisierig vom "l" zu "u" (ähnlech wi i Bairische Dialäkte, nume das si dört zu "i" vokalisiere) und d Velarisierig vom "nd" zu "ng" (ähnlich wi im Kölsch). Mit de groosse gsellschaftlechen Umwälzige syt em vorletschte Jahrhundert, bsunders mit der massiven Ywanderig i d Stedt, sy söttigi alti soziali Schichtige allwäg praktisch verschwunde. I ma mi numen a eis einzigs Mal bsinne, won i das alte Patrizier-Bärndütsch ha ghört biren alte Frou, u i han es guets Wyli bbruucht, bis i druf bi cho, das es würklech Bärndütsch het müesse sy. Ähnlechi soziali Dialäkt-Underschide het's gloubs früecher o i de niderdütsche Stedt ggä.

Aber i ha ja öppis anders wölle frage: Wi gseht das ächt i öine Dialäkt uus mit der Deklination vo de Zahlwörter? Bi üs git's drum näbem undeklinierte Zahlwort (füf Stunde) o ne deklinierti Verwändig, son en Art Subschtantivierig, bispilswys "uf di Füfe" ('gegen fünf Uhr', wörtlech öppe: 'auf die Fünfen') oder "um Füfi" ('um fünf Uhr') oder "ds Füfi" ('die Fünf' - ke Diminutiv!). Kennet dihr ähnlechi Phänomen?
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Eirien
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Post by Eirien »

"uf di Füfe" - säowat Ähnlicket hett vi äok: "ümme 'n Uhr af viäre" (= "gegen vier Uhr") odder "en Jaohr of twüölwe" (= "etwa zwölf Jahre"), dat is 'ne Deklinaiziaune, owwer käine Substantewierunge, wäil dat me daobey seggen mutt, bat et is: 'Uhr' odder 'Wiäcke' oddere säowat wamme 'ne Tied angien well, odder 'Stück' wann et süss bat is ("säo 'n Stück af drey-väier Kögge").
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Celefindel
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Post by Celefindel »

Avorninnas wrote: "oar Oar, zwoar Oar... "
Dejs is bei mia nua "Oa Oa, Zwoa Oa" ;)

Dejs Gedichtl is jo liab, Maewen :D
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mach
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Post by mach »

Vilecht interessiert's öpper als Yblick in e frömdi Sprachlandschaft: Es Gspräch mit em Litarturprofässer Peter von Matt über Dialäkt und Standard ir Dütschschwyz: Tagesgspräch (mp3, 10.8 MB). Aalass derfür isch der Sprachwächsel vor Mittags-Informationssändig Rendez-Vous gsy, wo vo hüt aa nume no Standard gredt wird, im Tagesgspräch dergäge sy si bim Dialäkt bblibe.
Geliril
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Post by Geliril »

Bei uns wird immer Hochdeutsch gesprochen aber ab und zu gibt's chatkürzel wie z.b ''heulz'',''sry'', ''thx'' ausserdem sagen wir statt ja: joa oda jep es gibt jein und manche wenige sagen bei st scht also soscht so is das bei uns auf der Baar
PS: oft werden auch Fremdwörter für ja oda nein benutzt oder andere kleine wörter
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Maewen
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Post by Maewen »

Ey Geliril, wo kommst'n du her, dat da nur Hochdeutsch jesprochen wird? Gloob eijentlich nich, dattet echt Leute jibt, die tatsächlich nur so redn, abjesehn von de Nachrichtnsprecha.

Und außadem: Wie spricht man denn de "Chatkürzel" sry und thx aus? :? (Ick meene, so, datta noch zu akenn is, dattet "Chatkürzel" sinn un nicht einfach janz normale englische Wörta...)
Híronen
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Post by Híronen »

Isch glaab isch bring aa mo de Dialekt aus meiner Reschion do rinn.
Was kann isch'n drüwwer saan?
Naja isch wääs zum Beischbiel dass mir anschdatt "Mir is kalt" "Isch hann kalt" saan. Das kummd doher, dass mir so nah an de Grenz leie.
Mir hann zum Beischbiel aa die Inkaafstasch odda die Kaffeetass.

In viele Worde gebt im Pardizib die Vorsilb "ge-" äämfach weggeschdrich, sodass ma "isch bin gang" saan, anschdatt "ich bin gegangen"

Kann ääna erroode, von wo isch kumm?

Hann a Froe üwwa mei Dialekt, denne isch selba eigentlisch nit schwätz?
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Celefindel
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Post by Celefindel »

Öhm, irgndwou oum? A bissl wos kimmbb ma hessisch vor, owa i kenn die deidschn Dialekt dazua zweng, um des einzordnen.

Voasübm wia "ge-" lossma a ofdn wejg, bei ins wea des "gegangen" dann a "gaungan". Olle ng-s san irgndwia so komische Nasale wias im Sindarin a voakumman.
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mach
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Post by mach »

Öppis Mittelfränkischs? Naja, das isch ja nid vil gseit... Pfälzisch? Das me chalt heig und eim nid chalt syg, das säg i emel ou ir Standardsprach eso, das dünkt mi gar nid so "dialäktisch".

Ds Verschwinde vor Vorsilbe "ge-" kenn i ou, aber bi Wörter wi "bache dänke gah", also bi Wörter wo mit Lenes afö, verschwindet i mym Dialäkt die Vorsilbe nid, sondern si wird assimiliert mit der Lenis, so das druus e Fortis wird, ds Partizip heisst also "pache tänkt", bzw. wien i's lieber schrybe, "bbache ddänkt ggange". Cha's de sy, das i öine Dialäkt dä Underschid zwüsche Wörter wi "bache" u "pache" gar nid exischtiert? Schliesslech isch das i vilne Dialäkt eso, u das Phänomen heisst gloubs "binnedütschi Konsonanteschwächig". Scho im nördleche Bärnbiet, also nume wenigi Kilometer vo da, won ig läbe, mache si dä Underschid zwüsche "bache" u "pache" nid, sondern säge geng "bache" ("i tue bache" und "i ha bache").
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