Monoflexion bei der Adjektivdeklination

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Maewen
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Monoflexion bei der Adjektivdeklination

Beitrag von Maewen » Do Mai 07 2009 21:13

Guten Abend!

Ich muss nächste Woche in einem Referat zur Adjektivdeklination im Deutschen einen kleinen Sprachvergleich anstellen und habe mich nun gefragt, welche anderen Sprachen vielleicht noch das Prinzip der Monoflexion anwenden. (Nicht, dass ich ein solches Beispiel anbringen müsste, aber es interessiert mich einfach.)

Kurz zur Erläuterung: Monoflexion bedeutet, dass nur ein Teil der Nominalphrase die Kasus- und Genusmerkmale trägt, wie also in ein kleiner Tisch, aber der kleine Tisch - in letzterem werden die Merkmale Nom./Akk. und mask. bereits im Artikel realisiert und müssen daher nicht noch mal im Attribut auftauchen. Dieses Prinzip gilt mit einigen Ausnahmen (besonders im Genitiv) für die gesamte Adjektivdeklination im Deutschen.

Ich bin nun alle mir bekannten Sprachen durchgegangen, aber mir fällt keine ein, die da ähnlich verfährt. Kennt ihr vielleicht irgendwelche Sprachen, die das genauso oder so ähnlich machen?

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mach
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Beitrag von mach » Do Mai 07 2009 21:58

Mir war, in den älteren Stufen hätten alle germanischen Sprachen derartige Phänomene gezeigt, aber bei den modernen germanischen Sprachen träten sie nur noch in Deutsch, Niederländisch und Isländisch auf. Aber das ist gewiss kein besonders erhellender Sprachvergleich, da diese Sprachen sehr eng verwandt sind.

Ferner ist innerhalb des Deutschen dieses Phänomen von Dialekt zu Dialekt sehr verschieden. Ich habe einmal versucht, einen Überblick darüber zu gewinnen innerhalb der alemannischen Dialekte, und habe schliesslich eine Zusammenstellung gefunden (leider weiss ich nicht mehr, wo), dass es schon nur da allerhand verschiedene Behandlungen gebe.

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Maewen
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Beitrag von Maewen » Do Mai 07 2009 22:20

mach hat geschrieben:aber bei den modernen germanischen Sprachen träten sie nur noch in Deutsch, Niederländisch und Isländisch auf.

An Niederländisch hatte ich da auch schon gedacht... Isländisch könnte ich mir unter diesem Aspekt aber tasächlich auch noch mal anschauen. *notier*

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Roman
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Beitrag von Roman » Do Mai 07 2009 23:55

Es ist doch so, dass nach dem bestimmten Artikel Adjektive schwach und ohne ihn stark dekliniert werden, die starke Deklination überlappt von den Endungen her aber mit dem Artikel. Das sollten alle germanischen Sprachen zeigen, die diese Struktur nicht verloren haben, z.B. Gotisch: juggata barn "junges Kind", thata juggo barn "das junge Kind". Ich schätze mal, ein Grund dafür ist die Vermeidung einer Wiederholung von Endungen (es mag auch andere geben).

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Beitrag von Maewen » Fr Mai 08 2009 7:12

Aran hat geschrieben:Es ist doch so, dass nach dem bestimmten Artikel Adjektive schwach und ohne ihn stark dekliniert werden, die starke Deklination überlappt von den Endungen her aber mit dem Artikel.

Ja. Genaugenommen gibt es noch eine dritte, die sog. gemischte Deklination. Die kommt zur Anwendung, wenn die Artikelwörter endungslos sind, also sowas wie mein, kein usw.

Cool, ich glaube, ich protze dann am Mittwoch ein wenig mit Gotisch - ist zwar für uns Fremdsprachenlehrer nicht wirklich relevant, macht aber sicher Eindruck :biggrin:

Ich schätze mal, ein Grund dafür ist die Vermeidung einer Wiederholung von Endungen (es mag auch andere geben).

Ja, das ist eben dieses Prinzip der Monoflexion - "wir haben's einmal gesagt, das muss reichen". Andere Sprachen machen das aber nicht, z.B. Spanisch oder Finnisch, die sich bei jedem einzelnen Wort absichern wollen, dass man noch weiß, in welchem Numerus und Genus resp. Kasus man sich befindet (las altas casas rojas "die großen roten Häuser", isossa punaisessa talossa "in dem großen roten Haus"). 8)

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