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Kartographische Übersetzungen

Posted: Fri Aug 20 2010 16:06
by Scanea
Erst einmal hallo zusammen.
Ich bastle gerade an einer Mittelerdekarte für ein Rollenspiel.
Dafür suche ich Sindarinübersetzungen für diverse Regionen.

Gut, fangen wir an:

Nord- und Südithilien:
Als Nord und Süd in Ortsnamen kenne ich for(n) bzw. har(n).
Die Frage, die sich mir stellt ist also:
Hieße es Forithilien oder Fornithilien.
Helmut W. Pesch spricht bei Wortzusammensetzungen, bei denen ein Konsonant und ein Vokal aufeinander treffen davon, dass die Wörter einfach ohne Änderung aneinandergefügt werden.
Demnach wäre Forithilien, also ohne "n", möglich und richtig. Nun gibt es aber die Beispiele Mornedhel, Fornost und Fornobel, bei denen vor einem Vokal ein "n" eingefügt wird. Andererseits gibt es mit Forannest, Morannon und Moria gegenteilige Beispiele. Auch Harondor und Forochel arbeitet ohne "n"
(Ich bin nicht sicher, ob ich mor(n) hier als Beispiel anführen kann)
Für mich wirkt das jedenfalls so, als könnte ich einfach frei Schnauze entscheiden, ob ich das "n" nutze oder nicht.
Oder gibt es da eine Regel, die ich nicht kenne?

Der nächste Fall ist schon schwerer:
Nord-Rhovanion; Süd-Rhovanion.
Hier haben wir entweder r + rh oder n + rh.
r + rh würde ich zu einem einfachen rh zusammenziehen, aber das ist nur ein Bauchgefühl. Wäre also Forhovanion.
Bei n + rh habe ich keine Ahnung. Könnte es sein, das rh zu r abgeändert wird?

Und nun der (fürs erste) schwierigste Punkt:
Südost(lich); Südwest(lich)
Im quenya gibt es diese Kombinationen in den númenórischen Regionen
Hyarnustar und Hyarrostar; von Pesch mit Südwest- bzw. Südostteil/-land übersetzt.
Könnte ich im sindarin daraus hardûn/hardún- bzw. harhûn/harhún (hier stellt sich wieder die Frage nach der Verbindung r+rh bzw. n+rh) machen?

So, das war's für's erste.
Wär super, wenn mir jemand helfen könnte! :wink:

Posted: Fri Aug 20 2010 18:32
by Roman
Für mich wirkt das jedenfalls so, als könnte ich einfach frei Schnauze entscheiden, ob ich das "n" nutze oder nicht.
Ich denke schon, wir haben sogar Pl. Moredhil (PE17:139) neben Mornedhel (WJ:377).
Hier haben wir entweder r + rh oder n + rh.
r + rh würde ich zu einem einfachen rh zusammenziehen, aber das ist nur ein Bauchgefühl. Wäre also Forhovanion.
Bei n + rh habe ich keine Ahnung. Könnte es sein, das rh zu r abgeändert wird?
Ein rh- am Wortanfang kommt von sr-. Vergleichsmöglichkeiten hätten wir z.B. mit Ephriw < *ep-sriw, Cathriw < *kat-sriw (PM:136), die sich deshalb so ergeben, weil ps, ts > ph, th geäändert wird. Zusätzlich attestiert haben wir die nasale Mutation im Kontakt nan-sr > nassr > nathr (PE17:147).
Im Kontakt -rsr- hätten wir also vielleicht zuerst eine Assimilation zu -*ssr- (vgl. tars, tass 'labour task'), was dann weiter zu -*thr- wird, also *Fothrovanion. Die Kombination sr wird nur am Wortanfang zu rh-, in Wortmitte zu -thr-, deshalb kann rh in Wortmitte eigentlich nicht auftauchen.
Per Analogie hätten wir aber vermutlich *Forrovanion, wo einfach rh > r mutiert wird, vgl. amrûn < am- + rhûn.
Der Kontakt -rnsr-, so exotisch er auch ist, würde theoretisch zu -*rssr- > *-rthr-, also *Forthrovanion. In sperrigen Dreikonsonantenclustern wird oft der mittlere ausgelassen, z.B. morndor > Mordor, el(e)mbereth > Elbereth. Das würde wieder zu *Forrovanion führen.

Posted: Fri Aug 20 2010 20:16
by Scanea
Danke sehr!

Südost wäre dementsprechend *Harrûn bzw. *Harrún- ?

Posted: Fri Aug 20 2010 23:16
by Roman
Ich denke schon.

Posted: Sat Aug 21 2010 11:07
by Scanea
Ok, nochmals danke!

Dann versuche ich mal direkt, das gelernte anzuwenden.
Fehler bitte korrigieren.
Ostrhovanion:
Wir haben also -nrh-, daraus wird -nsr-, der mittlere Konsonant fällt weg: -nr-, daraus wird laut H.W.Pesch -*dhr- (vgl. Caradhras).
Das Ergebnis wäre demnach: *Rhúdhrovanion

Ostmordor:
-nm- wird laut Pesch zu -*mm-, wird vllt. gekürzt zu -*m- (vgl. ammarth - amarth [etym.; PE17:66]), dementsprechend:
*Rhúmordor

Ostlórien (Südlicher Grünwald):
-nl- müsste bleiben; jedenfalls gibt es das zusammengesetzte Word minlamad.
Würde also wohl bei Rhúnlórien bleiben.


Ein anderes Problem:
South Downs und North Downs.
Laut K. W. Fonstad handelt es sich bei diesen downs, Höhen, um "Bergketten (Kämme), zuweilen Hunderte von Meilen lang". Auf der einen Seite gibt es einen "zerklüfteten Steilhang, Abtragungshang", auf er anderen Seite einen "langen, sanft abfallenden Senkungshang".
Diese Beschreibung lässt sich meiner Meinung nach am besten mit der Vokabel pinnath wiedergeben.
Das Beispiel Pinnath Gelin lässt mich vermuten, dass ich hier auch die Sindarin-Plurals von nördlich und südlich brauche.
harn: *hern (wie bei sarn, narn)
forn: *fyrn (wie bei orn, torn, ...)
Damit hätte ich *Pinnath Fyrn und *Pinnath Hern.
Ich hätte aber gerne etwas analogere Formen, deswegen überlege ich über die Vokabeln forodren und haradren.
Hier habe ich aber keine Ahnung, wie ich den Plural bilden kann.

Posted: Sat Aug 21 2010 12:47
by Roman
Wir haben also -nrh-, daraus wird -nsr-, der mittlere Konsonant fällt weg: -nr-, daraus wird laut H.W.Pesch -*dhr- (vgl. Caradhras).
Das Ergebnis wäre demnach: *Rhúdhrovanion
Zu -nsr- habe ich gerade oben aufgeführt: nan-sr > nassr > nathr (das ist die Nasalmutation nach der Präposition nan), also *Rhúthrovanion. Tatsächlich bleiben in der Spätzeit rh, lh vor n einfach bestehen, dann hätten wir *Rhúnrhovanion.
Ostmordor:
-nm- wird laut Pesch zu -*mm-, wird vllt. gekürzt zu -*m- (vgl. ammarth - amarth [etym.; PE17:66]), dementsprechend:
*Rhúmordor
Genau, es gibt auch ein gutes Vergleichsbeispiel mit Annúminas < annûn + minas.
Ostlórien (Südlicher Grünwald):
-nl- müsste bleiben; jedenfalls gibt es das zusammengesetzte Word minlamad.
Würde also wohl bei Rhúnlórien bleiben.
Die Kombination -nl- kann auch zu -ll- werden, siehe den Namen Mithrellas, offenbar *mithren-las, aber angesichts von minlamad scheint *Rhúnlórien auch okay zu sein.
Damit hätte ich *Pinnath Fyrn und *Pinnath Hern.
Sieht gut aus, bis auf evntl. Lenition *Pinnath Chern (sonst könnte man es sogar als "steinige Höhen" missverstehen).
Ich hätte aber gerne etwas analogere Formen, deswegen überlege ich über die Vokabeln forodren und haradren.
Hier habe ich aber keine Ahnung, wie ich den Plural bilden kann.
Was ist das Problem? Es wäre *feredrin und *heredrin.

Posted: Sat Aug 21 2010 13:23
by Scanea
Aran wrote: Was ist das Problem? Es wäre *feredrin und *heredrin.
Ja, habe ich mir über tawaren (sg) - tewerin (pl) auch eben hergeleitet. Als Ausrede führe ich an, dass ich gerade erst beginne, mich mit der Materie so weit gehend zu befassen.
*Pinnath Chern und *Pinnath Fyrn gefallen mir dann doch besser.

Jedenfalls bedanke ich mich nochmals.
Für's erste war es das, kann aber sein, dass ich mich demnächst erneut melde.